
Merck Mitarbeiter haben auch für die „Aktion zugunsten krebskranker Kinder“ gespendet – Ziele und Arbeiten des Vereins
Es traf Sabine Gulatz wie ein Hammerschlag, als sie 1989 von der Krebserkrankung ihrer kleinen Tochter erfuhr. Gerade einmal einandhalb Jahre alt war Kathinka damals. Ein Jahr hatte das kleine Mädchen von da an noch zu leben – zwölf Monate zwischen Hoffen und Bangen, ein Kampf gegen Schmerzen und Verzweiflung. Gekämpft hat die ganze Familie damals, die kranke Kathinka am allermeisten – hat versucht, sich nicht unterkriegen zu lassen von dem bösartigen Neuroblastom, einem im gesamten Körper streuenden Tumor, und eisern harte Chemotherapie und Knochenmark-Transplantation durchgestanden. „Ein richtiges Vorbild war sie“, erinnert sich Sabine Gulatz. „Nicht nur für andere Kinder in der Heidelberger Kinderklinik, sondern auch für uns Eltern.“
Nicht in Trauer zu versinken, sich nicht abzukapseln, als es vorbei war, sondern das in dieser schweren Zeit Erlebte für andere nutzbar zu machen – das haben sich Sabine Gulatz und ihr Mann von da an fest vorgenommen. Mit ganzer Kraft begannen sie, sich für Projekte auf Kinderkrebsstationen und betroffene Familien einzusetzen. „Wir haben ja selbst erfahren, wie wichtig Unterstützung und menschliche Zuwendung sein kann. Nicht nur von Ärzten und Pflegekräften, sondern auch von ehrenamtlichen Mitgliedern der Elternvereine“, erinnert sich Sabine Gulatz. Kurzerhand rief sie eine Aktion ins Leben und begann – wie diese Elternvereine – in unermüdlicher Arbeit Spenden zu sammeln, um auf den Kinder-Krebsabteilungen der Universitätskliniken Kindern und Eltern die Zeit während der Therapie etwas leichter zu machen. Geld, das dringend benötigt wird für die Einrichtung so genannter Elternwohnungen auf dem Klinikgelände, von Spielzimmern oder „Elternküchen“. „In der Nähe des kranken Kindes zu sein, ist das Allerwichtigste. Ebenso wie die Möglichkeit, sich mit anderen betroffenen Eltern austauschen zu können.“ Auch gehe es darum, mitzuhelfen, dass Stationen kinder- und jugendgerecht gestaltet, Beschäftigungs- und Ablenkungsmöglichkeiten geschaffen werden können oder bisweilen auch darum, medizinisches Fachpersonal zu finanzieren.
Die Finanzierung solcher Projekte verdankt sich einzig und allein dem Idealismus privater Initiativen. Zumal die Mittel der Kliniken nicht über das medizinische Notwendige hinausgehen. Doch die Arbeit lohnt sich, weiß Sabine Gulatz aus eigener Erfahrung. Schon 1991 organisierte sie gemeinsam mit einer Handvoll Mitstreiter den ersten Advents-Basar in Groß-Bieberau und rief 1994 die „Aktion zugunsten krebskranker Kinder“ ins Leben – damals noch unter der Schirmherrschaft der evangelischen Kirchengemeinde. Mit der Unterstützung vieler Helfer und Sponsoren wurden seither neben den Adventsbasaren und dem ebenfalls jährlich stattfindenden Martinsmarkt auch Kinderkleider- und Spielzeug-Flohmärkte sowie Benefiz-Sportveranstaltungen organisiert. Der seit 1997 eingetragene Verein hat mittlerweile rund 130 Mitglieder, die – wie auch der elfköpfige Vorstand – rein ehrenamtlich tätig sind. Eingenommene Gelder werden nicht innerhalb des Vereins verbraucht, sondern direkt weitergleitet an unterstützte Projekte – an Kinderkrebskliniken in Heidelberg, Frankfurt, Mainz, Köln. Darüber kommt Hilfe auch betroffenen Familien mit krebskranken sowie anderweitig schwerst erkrankten Kindern direkt zugute. Mittlerweile hat der Groß-Bieberauer Verein ein gut funktionierendes Netzwerk errichtet, das vor allem jenen hilft, die auf schnelle Hilfe angewiesen sind oder auch nur den Kontakt zu anderen Betroffenen aufbauen wollen. (ml)
Hintergrundinformationen:
Direkte Hilfe der Merck-Mitarbeiter
Insgesamt 36 500 Euro flossen im vergangenen Jahr auf das Konto der Aktion „Merck-Mitarbeiter spenden“. Sieben regionale Selbsthilfegruppen wurden damit unterstützt, darunter auch die „Aktion zugunsten krebskranker Kinder“ in Groß-Bieberau, die den „pro“-Lesern mit diesem Artikel genauer vorgestellt wird. Zu dieser Spende tragen in jedem Jahr Mitarbeiter und Pensionäre bei, die die Cent-Beträge ihrer Entgeltabrechnungen oder den Erlös interner Veranstaltungen abtreten, sowie das Unternehmen, das diese Beträge zum Jahresende verdoppelt.